Animal Hoarding – Ein Fall für den Tierschutz

In den Tierheimen und Tierschutzvereinen gewinnt das sogenannte Animal Hoarding mehr und mehr an Bedeutung, denn es kommt leider immer wieder vor, dass massenhaft Tiere aus entsprechenden Fällen beschlagnahmt oder direkt im Tierheim abgegeben werden. In den vergangenen Jahren hat die sogenannte Tiersammelsucht immer wieder für Schlagzeilen gesorgt und ist so in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Für die Tierschutzorganisationen bleibt es allerdings nicht bei bloßen Schlagzeilen in der Presse, schließlich sind sie gefordert, den betroffenen Tieren ein Obdach zu bieten und ihnen aus ihrer misslichen Lage zu helfen. Tierschutz bedeutet dabei allerdings auch, Hilfe für kranke Menschen, denn das Animal Hoarding hat den Charakter einer psychischen Erkrankung und ist für Mensch und Tier belastend. Bis zu dieser Erkenntnis seitens des Betroffenen ist es allerdings ein weiter Weg. Obgleich dem Animal Hoarding vielfach psychische Störungen zugrunde liegen, handelt es sich dabei um keine eigenständige Störung. Das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren ist vielmehr Symptom einer anderweitigen psychosomatischen Erkrankung.

Animal Hoarding – Was ist das?

Der Begriff Animal Hoarding lässt sich im Deutschen mit dem krankhaften Sammeln von Tieren beschreiben und kann somit auch als Tiersammelsucht übersetzt werden. Aber nicht jeder Mensch, der viele Tiere hält, ist automatisch ein Tierhorter und lebt so eine Sucht aus. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass ein Animal Hoarding vorliegt, ist der Umstand, dass die Zahl der gehaltenen Tiere immer weiter steigt und der Halter die Anforderungen an die Haltung nicht erfüllen kann. Die Tierhaltung gerät so gewissermaßen außer Kontrolle und wächst dem Halter über den Kopf, ohne dass dieser die gravierenden Haltungsmängel und das damit verbundene Leid der Tiere erkennt. Auch die negativen Folgen für das eigene Leben werden ausgeblendet.

Das Animal Hoarding erweist sich vielfach als schleichender Prozess. Zunächst lag eine normale Tierhaltung vor, die nach und nach intensiviert wurde. Zunächst werden die Menschen den Bedürfnissen ihrer Vierbeiner durchaus noch gerecht, aber mit steigender Tierzahl wird dies immer schwieriger und schlussendlich unmöglich. Zu wenig Platz, mangelnde Hygiene, eine unzureichende Versorgung und auch eine fehlende tierärztliche Betreuung sind die Folge. Trotz offensichtlicher Missstände leugnen Betroffene die Problematik und wollen an der Tierhaltung festhalten. Außenstehende können versuchen, auf Tierhorter einzuwirken, sollten gegebenenfalls aber auch die Behörden informieren, um dem Ganzen ein Ende zu bereiten. So haben die Tiere die Chance auf ein besseres Leben, während der Tierhorter von einem enormen Druck befreit wird und sich in Behandlung begeben sollte.

Diese Auswirkungen hat das Animal Hoarding auf den Tierschutz

In Anbetracht der Tatsache, dass das Animal Hoarding in der Mehrzahl der Fälle auf eine psychische Störung zurückzuführen ist, ruft diese Problematik in erster Linie Psychotherapeuten auf den Plan. Der Tierschutz ist nichtsdestotrotz ebenfalls immer involviert, da die in großer Zahl gehaltenen Tiere anderweitig untergebracht werden müssen. Es muss also nicht nur dem Animal Hoarder beziehungsweise Tierhorter geholfen werden, indem man ihn von der Last der vielen Tiere befreit, sondern auch die Vierbeiner sind auf Hilfe angewiesen und müssen aus oftmals grauenhaften Haltungsbedingungen befreit werden. So kann es durchaus vorkommen, dass das Tierheim von den Behörden hinzugezogen wird und rasch Platz für zahlreiche Tiere schaffen muss. Die Kapazitäten der Tierheime sind allerdings begrenzt, weshalb die Unterbringung von beispielsweise 20 Hunden, 50 Farbmäusen oder Hunderten Wellensittichen nicht mal eben zu bewerkstelligen ist. Zudem müssen die Tiere nicht nur untergebracht und versorgt, sondern oftmals auch tiermedizinisch versorgt werden. Eine enge Zusammenarbeit mit Tierärzten, anderen Tierschutzorganisationen und privaten Pflegestellen ist somit essentiell für die Bewältigung eines erneuten Animal Hoarding-Falles.

Das Animal Hoarding führt den Tierschutz immer wieder an seine Belastungsgrenze und darüber hinaus. Abgesehen davon, dass auf einen Schlag zahlreiche Tiere zu Notfällen im Tierheim werden, sollten Tierschützer auch an den Leidensdruck der Menschen denken. Sie haben die Tiere nicht böswillig den widrigen Umständen ausgesetzt, sondern wollten diesen ursprünglich helfen oder beispielsweise die eigene Einsamkeit kompensieren. Insbesondere in Fällen, in denen Tierhorter selbst die Hilfe des Tierschutzes suchen, weil sie die untragbare Situation erkennen, sollte mit Fingerspitzengefühl und Verständnis vorgegangen werden. Zugleich müssen die Tierschützer aber auch bestimmt auftreten und konsequent vorgehen, um eine nachhaltige Verbesserung der Situation für Mensch und Tier zu erreichen. Vor allem am Beispiel des Animal Hoardings zeigt sich so immer wieder, dass der Tierschutz in erster Linie den Tieren dient, aber durchaus auch den Menschen hilft.